Teamarbeit

Psychologische Sicherheit: wichtigster Erfolgsfaktor für Teams

Psychologische Sicherheit im Team

Psychologische Sicherheit ermöglicht Lernen und damit Teamerfolg. Zumindest hat sich dies in einer Google-Studie gezeigt. Dieser Artikel gibt eine kurze Übersicht, was psychologische Sicherheit ist und wie diese im Team- bzw. Führungsalltag gestärkt werden kann.

Erfolgreiche Google-Teams erlebten bzw. erleben psychologische Sicherheit

Im Rahmen des Projekts «Aristotle» ist Google der Frage nachgegangen, was besonders erfolgreiche Google- Teams auszeichnet. Bei den 180 untersuchten Google-Teams kam es nicht so stark darauf an, wer im Team war. Vielmehr spielte die Art und Weise der Zusammenarbeit eine Rolle. Folgende Erfolgsfaktoren für Teamarbeit haben sich herauskristallisiert:

  1. Psychologische Sicherheit: Wie sicher sich die einzelnen Teammitglieder fühlen, zwischenmenschliche Risiken einzugehen.
  2. Zuverlässigkeit: Arbeiten werden pünktlich erledigt.
  3. Struktur und Klarheit: Die einzelnen Personen wissen, was von ihnen erwartet wird und wie sie diese Erwartungen erfüllen können.
  4. Sinnhaftigkeit: Welchen Sinn die Teammitglieder mit ihrer Arbeit verbinden.
  5. Wirkung: Die subjektive Beurteilung, ob mit der Arbeit etwas bewegt werden kann.

Da die psychologische Sicherheit der wichtigste Faktor für erfolgreiche Teamarbeit in dieser Studie darstellt, wird das Konzept hier genauer erläutert.

Was ist psychologische Sicherheit?

Bei psychologischer Sicherheit geht es darum, ob sich einzelne Teammitglieder trauen, zwischenmenschliche Risiken einzugehen. Nun, was heisst das konkret? Wenn ein hohes Mass an psychologischer Sicherheit in einem Team vorhanden ist, dann trauen sich Mitarbeitende Fragen zu stellen, Schwächen und Fehler zuzugeben, Ideen einzubringen sowie den Status quo zu hinterfragen. Und das alles, ohne dass man bestraft oder erniedrigt wird. Wo wenig psychologische Sicherheit herrscht, verhalten sich die Teammitglieder wirkungsorientiert. D.h. man möchte keinen inkompetenten Eindruck machen und stellt die Frage lieber nicht. Oder man vertuscht den Fehler lieber, um vor der Gruppe nicht blöd dazustehen. Ebenso möchte man auch nicht als Aussenseiter dastehen und das Konzept, das alle so toll finden, hinterfragen. Kurzgefasst: Psychologische Sicherheit hat mit offener, ehrlicher Kommunikation, wertungsfreien Diskussionen und Vertrauen in das Team zu tun.

Warum ist psychologische Sicherheit wichtig?

Amy Edmondson untersuchte verschiedene Teams in einem Spital. Es ging um die Frage, ob bessere Teams weniger Fehler machen würden. Es stellte sich heraus, dass die besten Teams am meisten Fehler rapportierten. Wie konnte das sein? Es stelle sich heraus, dass die erfolgreichsten Teams über die Zeit weniger Fehler machten, sich allerdings trauten, ihre Fehler zu rapportieren. Dadurch konnte das ganze Team dazulernen und sich stetig verbessern. Das Ausmass an psychologische Sicherheit in einem Team entscheidet also darüber, ob das Team aus Fehlern lernen und sich verbessern kann.

Psychologische Sicherheit ist jedoch nicht nur in Spitälern wichtig, wie die Studie von Google zeigt. In unserer VUCA-Welt nehmen die Anforderungen an Teams zu. Deshalb brauchen Teams passende Rahmenbedingungen, um längerfristig erfolgreich zu sein. Die psychologische Sicherheit stellt eine wichtige Bedingung für Teamerfolg dar, ist aber nicht die einzige.

Erst Kombination mit anspruchsvollen Zielen ermöglicht Lernen und Erfolg

Das Konzept der psychologischen Sicherheit sollte allerdings nicht isoliert betrachtet werden. Sonst bekommt man den Eindruck, dass ein Team ein Wohlfühl-Club sein sollte. Ein erfolgreiches Team braucht ebenso anspruchsvolle Ziele und die Bereitschaft der einzelnen Teammitglieder, Verantwortung zu übernehmen.

Tipps zur Stärkung der psychologischen Sicherheit

Amy Edmondson erwähnt in Ihrem TEDx-Talk folgende Möglichkeiten, um die psychologische Sicherheit zu stärken:

  1. Die Arbeit auch als Lernmöglichkeit sehen (anstatt als eine reine Ausführungstätigkeit). Das mag für einige einen grossen Perspektivenwechsel bedeuten. Lange waren Führungskräfte der Meinung, dass effizient, zuverlässig und zeitgerecht ausgeführte Arbeiten zu Kundenzufriedenheit und Unternehmenserfolg führen. Heute reicht dies nicht mehr. Unternehmen müssen dazulernen und sich weiterentwickeln. D.h. Mitarbeitende müssen neue Wege bzw. Ideen ausprobieren können. Wenn etwas schief läuft, sollen nicht Schuldige gesucht werden, sondern geschaut werden, was das Team daraus für die Zukunft lernen kann.
  2. Als Führungsperson sollten Sie Ihre eigene Fehlbarkeit anerkennen. Niemand ist perfekt und es hilft, wenn Führungskräfte hier mit einem guten Beispiel vorangehen und ebenso Schwächen und Fehler offen zugeben. So kann sich ein offener Umgang mit Fehlern entwickeln und damit wird Lernen möglich.
  3. Viele Fragen stellen und damit eine positive Neugierde vorleben. Viele Menschen stellen ungern Fragen, weil sie Angst haben, als blöd abgestempelt zu werden. Stellt die Führungskraft selbst viele Fragen, so trauen sich auch die Mitarbeitenden.

Reflexion in Bezug auf die psychologische Sicherheit

  • Angenommen es kommt zu einem Fehler, wie konstruktiv gehen Sie in Ihrem Team damit um?
  • Wie gut können Sie in Ihrem Arbeitsumfeld Fehler zugeben oder eigene Schwächen offenlegen?
  • Wie wohl ist es Ihnen, Fragen zu stellen, wenn Sie etwas nicht verstehen?
  • Auf einer Skala von 1-10, wo steht ihr Team in Bezug auf die psychologische Sicherheit (1 = wenig Sicherheit, 10 = maximale Sicherheit)? Was gelingt Ihnen und Ihrem Team bereits gut? Angenommen die Situation würde sich um 0.5 verbessern, woran würden Sie das bemerken? Was brauchen Sie und/oder Ihr Team, um einen kleinen Schritt in Richtung 10 zu kommen?

Quellen

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