Positive Leadership: Führen mit den 5 PERMA-Elementen

Positive Leadership and PERMA

Die VUCA-Welt erfordert ein neues Führungsverständnis, weil wir vermehrt Aufgaben begegnen werden, die das ganze Potenzial der Mitarbeitenden und Teams verlangen. Aspekte aus dem Bereich Positive Leadership, insbesondere die fünf Elemente des PERMA-Modells, liefern hierzu interessante Anregungen.

 

Potenzialentfaltung dank neuem Führungsverständnis

Organisationen werden sich verändern müssen, um in der VUCA-Welt weiterhin erfolgreich zu sein. Viele der noch heute vorherrschenden Organisationsformen, Prozesse und Praktiken verhindern die Übernahme von Eigenverantwortung, Kreativität und Potenzialentfaltung und vergraulen damit wertvolle Fachkräfte. Nun die gute Nachricht: Führungskräfte haben auch in solchen Settings einen Spielraum, um die Zufriedenheit und die Potenzialentfaltung ihrer Mitarbeitenden zu fördern. Wie kann das gelingen? Indem Sie mehr und mehr mit den fünf Elementen des PERMA-Modells führen. Dies wird die Transformation zwar nicht obsolet machen, jedoch Führungskräfte dabei unterstützen, bereits jetzt ein neues, VUCA-tauglicheres Führungsverständnis zu entwickeln.

 

Die fünf Elemente des PERMA-Modells

Martin Seligman, Pionier der positiven Psychologie, stellte in seinem Buch „Flourish“ fünf Elemente des Wohlbefindens vor und fasste diese mit der Eselsbrücke PERMA zusammen:

  • Positive Emotionen

Das Erleben von positiven Emotionen wie z.B. Freude, Dankbarkeit, Hoffnung, Stolz, Spass, Inspiration, ist wichtig für unser psychisches Wohlbefinden. Gemäss der „Broaden-and-Build Theory“ von Barbara Fredrickson erweitern positive Emotionen unsere Wahrnehmung (broaden) und sie helfen uns, physische, intellektuelle, soziale und psychologische Ressourcen aufzubauen (build).

  • Engagement

Beim Engagement geht es darum, sich für eine Sache oder Aufgabe einzusetzen. Je nachdem bedeutet das, voll und ganz von einer Tätigkeit absorbiert zu sein, so dass man die Zeit vergisst. Dieser Zustand wird auch als Flow bezeichnet. Dafür braucht es tendenziell ein bestimmtes Mass an Herausforderung und die Möglichkeit, seine Stärken einbringen zu können.

  • Relationships – förderliche Beziehungen

Menschen sind soziale Wesen und die meisten wollen in irgendeiner Form Teil einer Gruppe sein, beispielsweise in einem Team, einer Familie oder einem Verein. Zudem ist soziale Unterstützung eine zentrale Ressource im Umgang mit Stress und schwierigen Situationen. Daher ist es kaum verwunderlich, dass förderliche Beziehungen das Wohlbefinden verbessern.

  • Meaning – Sinnhaftigkeit

Beim Element Sinnhaftigkeit geht es um die Frage, warum Sie am Morgen überhaupt aufstehen. Eine sinnvolle Tätigkeit ist für die meisten Menschen entscheidend für die Motivation und das Engagement. Sinnleere führt im Gegenteil zu Demotivation, Disengagement und Rückzug.

  • Accomplishment – Zielerreichung

Das bewusste Wahrnehmen bzw. das Würdigen oder sogar Feiern einer Zielerreichung löst positive Emotionen wie beispielsweise Freude und Stolz aus. Zudem verringert es das Hamsterradgefühl, wenn man sich eine kurze Verschnaufpause gönnt.

 

Positive Leadership wirkt sich positiv auf betriebswirtschaftliche Kennzahlen und die Gesundheit aus

Markus Ebner und sein Team stellten in diversen Studien positive Effekte von Positive Leadership – dem Führen mit PERMA – fest, so z.B.:

  • Höhere PERMA-Werte bei Führungskräften hingen zusammen mit höheren Resilienz- und Kreativitätswerten bei den Führungskräften selbst.
  • Ein positiver Zusammenhang zwischen der Höhe der PERMA-Werte der Mitarbeitenden und den durchschnittlichen Ausgaben der Kunden.
  • Bei höheren PERMA-Werten der Mitarbeitenden waren niedrigere Krankenstandstage zu verzeichnen.
  • Je stärker die Führung von den Mitarbeitenden als PERMA-stärkend erlebt wurde, desto geringer war die chronische Stressbelastung.

 

Anwendung des PERMA-Modells in Ihrem Führungsalltag

Wie könnten Sie das PERMA-Modell in Ihrem Führungsalltag anwenden? Es gibt unzählig viele Möglichkeiten, wie das PERMA in einem Team gestärkt werden kann. Zum Beispiel:

  • Fokus auf positive Emotionen lenken: Das Team-Meeting so beginnen, dass positive Emotionen ausgelöst werden, z.B. was war das Highlight der Woche? In virtuellen Sitzungen ein Zeitfenster für Smalltalk ermöglichen oder auch einmal eine Wertschätzungsrunde einbauen. Wenn es zum Team passen könnte, könnten Sie auch die Methode „positiver Tagesrückblick“ als Experiment einbringen.
  • Das Engagement stärken: Den Fokus im Mitarbeitendengespräch auf Stärken anstatt Schwächen legen und schauen, wie die Mitarbeitenden ihre Stärken für das Team noch besser einsetzen können. Bei wenig Stärkenbewusstsein kann auch ein Stärkencoaching oder ein Teamstärken-Workshop Schwung in die Teamarbeit bringen.
  • Positive Beziehungen fördern: Bei viel Homeoffice einen gemeinsamen Bürotag festlegen, Gespräche an der Kaffeemaschine zulassen, Geburtstage der Teammitglieder feiern oder ab und zu ein kleines Teamfrühstück am Arbeitsplatz organisieren. Höchstleistungsteams bringen eine so hohe Leistung, weil sie viel Zeit in die Beziehungspflege investieren und sich gegenseitig vertrauen (siehe auch psychologische Sicherheit).
  • Sinn vermitteln: Individuelle Sinnhaftigkeit kann über Wertebewusstsein und Werterfüllung im Alltag entstehen. Menschen wollen aber auch den Sinn hinter einer Sache sehen. Deshalb hilft es, bei Änderungen und Anweisungen den Grund dafür aufzuzeigen. Ein guter Teampurpose kann das Gefühl von Sinnhaftigkeit ebenfalls steigern. Falls es keinen Teampurpose gibt, warum nicht einen gemeinsam mit dem Team entwickeln?
  • Zielerreichung: Das Erreichen von Teilzielen würdigen und das Erreichen von grösseren Zielen feiern. Die Mitarbeitenden im Mitarbeitendengespräch fragen, worin sie seit dem letzten Gespräch Fortschritte bzw. Entwicklungsschritte gemacht haben und diese anerkennen.
  •  Das Erreichen von Teilzielen würdigen und das Erreichen von grösseren Zielen feiern. Die Mitarbeitenden im Mitarbeitendengespräch fragen, worin sie seit dem letzten Gespräch Fortschritte bzw. Entwicklungsschritte gemacht haben und diese anerkennen.

 

Positive Leadership schafft eine Balance zu einer defizitorientierten Führungsperspektive

Eine gelungene persönliche Entwicklung zeigt sich dadurch, dass wir uns flexibel auf dem Spektrum zwischen zwei gegensätzlichen Polen bewegen können. D.h. dass wir uns beispielsweise mit Negativem und Positivem auseinandersetzen. Analog dazu sind auch die Anregungen aus dem Bereich Positive Leadership zu verstehen. Bei positive Leadership geht es nicht darum, nur noch alles unkritisch durch die rosarote Brille zu betrachten, sondern darum, unsere natürliche Negativitätsverzerrung und sozialisierte Defizitorientierung etwas auszubalancieren und unseren Wahrnehmungsfokus auch immer wieder bewusst auf die positiven Aspekte zu lenken. Damit wird Potenzial freigelegt, das mit einer vorwiegend defizitorientierten Sichtweise nicht möglich wäre.

 

Quellen

 

Thema Positive Leadership oder Team-PERMA vertiefen

Möchten Sie das Thema Positive Leadership mit Ihrem Führungsteam vertiefen oder mit Ihrem Team einen PERMA-Workshop durchführen? Dann nehmen Sie gerne Kontakt mit mir auf.