Positiv denken ist so eine Sache

Positiv denken, Optimismus

Wurde Ihnen in Zusammenhang mit einem persönlichen Veränderungsvorhaben auch schon gesagt, Sie sollen doch einfach mal positiv denken? Sind Sie damit weitergekommen? Wenn nicht, so wäre dies kein Wunder, denn, wenn wir zu positiv denken, kann uns die notwendige Energie für Veränderungen sogar fehlen.

Veränderungswünsche und positives Denken

Man könnte meinen, dass positives Denken gut ist, weil es sich angenehm anfühlt und uns auf ein positives Zukunftsbild zusteuern lässt. Tatsache ist allerdings, dass positives Denken in Veränderungsvorhaben sogar hinderlich sein kann. Wieso? Die Psychologin Gabriele Oettingen hat hierfür eine mögliche Erklärung gefunden: Wenn wir positiv denken, so wird unserer Psyche vorgegaukelt, dass wir unser Ziel bereits erreicht haben. Damit wird die für die Veränderung notwendige Energie automatisch heruntergefahren. Es scheint, dass unsere Psyche sehr effizient arbeitet und dort Energie abzieht, wo sie vermeintlich nicht mehr gebraucht wird.

„Hybrides Denken“

Auch rein negatives Denken bringt uns nicht weiter, denn wie soll dadurch echte Motivation und Energie entstehen? Was es also braucht, ist eine Art „hybrides Denken“. Dabei wird das positive Denken mit dem realistischen bzw. kritischen Denken kombiniert. Dieses Vorgehen wird „mentales Kontrastieren“ genannt. Kontrast heisst Gegenpol, Gegensatz oder auch Unterschied. D.h. mit dem mentalen Kontrastieren erweitern wir unsere Perspektive und erhalten ein ganzheitlicheres bzw. realistischeres Bild der Situation.

Voraussetzung für mentales Kontrastieren

Damit mentales Kontrastieren funktionieren kann, müssen erreichbare Ziele gesetzt werden. Zudem sollte das Ziel für Sie attraktiv und möglichst mit eigenen Kräften erreichbar sein. Sind Ziele unrealistisch oder zu wenig attraktiv, so kann sich das beim Kontrastieren in der Anzahl und Grösse der wahrgenommenen Hindernisse bemerkbar machen. Dadurch wird vielleicht klar, dass man seine Energie vielleicht doch lieber in ein anderes Vorhaben investieren möchte. Nun, wie sieht das mentale Kontrastieren konkret aus?

Die 4 Schritte des mentalen Kontrastierens

Gabriele Oettingen hat ein strukturiertes Vorgehen entwickelt, um das mentale Kontrastieren in der Praxis anzuwenden. Sie nennt es „WOOP“. Das Akronym setzt sich wie folgt zusammen:

  1. Wish – Wunsch/Ziel

Was ist Ihr Veränderungswunsch?

Ist der Wunsch realistisch und herausfordernd?

  1. Outcome – Ergebnis

Was wäre das beste Ergebnis, das Sie mit der Veränderung erreichen könnten?

Welches positive Gefühl würden Sie erleben, wenn der Wunsch sich erfüllt?

  1. Obstacle – Hindernis

Welches Hindernis hindert Sie an der Umsetzung Ihres Ziels?

Was in Ihnen hält Sie zurück?

  1. Plan – Plan

Was können Sie tun, um dieses Hindernis zu umgehen?

Wann werden Sie das nächste Mal auf das Hindernis treffen?

Was werden Sie dann konkret tun?

Bilden Sie aus den letzten 2 Fragen einen „Wenn-Dann-Satz“: Wenn ich das nächste Mal ..., dann mache ich...

Einladung zum Ausprobieren

Lesen ist gut, ausprobieren noch besser. Haben Sie einen kleinen Veränderungswunsch, den Sie „theoretisch“ schon ab sofort umsetzen könnten? Dann möchte ich Sie dazu einladen. Suchen Sie sich einen ruhigen Ort, an dem Sie nicht gestört werden, machen Sie es sich bequem und beantworten Sie für sich die obenstehenden Fragen – am besten schriftlich. Viel Erfolg!

Quellen:

Woopmylife (Internetseite seit April 2020 nicht mehr auffindbar)

The problem with positive thinking

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