Persönliche Entwicklung

Optimalszenario gestalten und leben im Alltag

Optimalszenario gestalten

Waren Sie schon mal so weit, dass Sie neu durchstarten wollten? Was hat Sie daran gehindert? Die Zeit? Die Grösse? Je grösser eine Veränderungsidee ist, desto schneller wird sie als unrealistisch angesehen und verworfen. Daher kann es nützlich sein, mit kleineren Veränderungsvorhaben zu starten. Sonja Radatz stellt in ihrem Buch „Gestalten Sie. Sonst werden Sie gestaltet.“ einen dafür möglichen Ansatz vor.

Zwei Anlässe zur Veränderung

Menschen verändern sich oft nur, wenn Störfaktoren wie Konflikte, Misserfolge oder sonstige Schwierigkeiten auftauchen. Durch die entstandene Unzufriedenheit entsteht dann Mut und Energie, das eigene Handeln zu hinterfragen und sich nach alternativen Möglichkeiten umzusehen. Dahinter steht eine passive bzw. reaktive Haltung: Man reagiert, weil einem etwas stört. Demgegenüber gehen Menschen mit einer proaktiven Haltung Veränderungen anders an: Sie verändern sich, weil sie für sich neue Ziele definiert haben. Der Ursprung des Veränderungswunsches liegt somit eher im Inneren einer Person als im Äusseren (d.h. im Umfeld).

Aktive Selbstführung

Bewusst Ziele setzen und damit Veränderungen anstossen, bedeutet aktive Selbstführung.

Wie kann aktive Selbstführung im Alltag konkret aussehen? Sonja Radatz (2016) liefert zu diesem Thema einen Leitfaden. Dieser dient dazu, ein persönliches Optimalszenario in 6 Schritten zu gestalten.

Optimalszenario gestalten und leben im Alltag

  1. Persönliches Optimalszenario entwerfen

Als erstes geht es darum, dass Sie die Themen definieren, die für Sie im Alltag von Bedeutung sind:

  • Was wollen Sie optimalerweise jeden Tag leben?
  • Was ist für Sie von zentraler Wichtigkeit?

Hier geht es um Dinge in Ihrem Alltag, die Sie zufrieden machen. Das können auch ganz kleine Dinge sein.

Notieren Sie sich jedes Thema auf einem Post-it und kleben Sie alle Post-its auf ein grosses Blatt Papier. Hängen Sie das Blatt Papier irgendwo auf, machen Sie einen Schritt zurück und fragen sich: „Wenn Sie das leben, was auf Ihren Post-its steht, führen Sie dann ein optimales Leben?

  1. Persönliches Optimalszenario leben

Wenn das Optimalszenario steht, gilt es, dieses im Alltag ab sofort umzusetzen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass es irgendwo in einer Schublade verschwindet. Beim Umsetzen des persönlichen Optimalszenarios sind folgende Punkte zu beachten:

  • Planung: Wie gestalten Sie Ihren heutigen Tag, damit Sie Ihr Optimalszenario (zumindest zu einem Teil) leben können?
  • Selbstbeobachtung: Tun Sie das, was Sie wirklich wollen oder brauchen Sie eine Veränderung?
  • Bilanz am Abend: Auf einer Skala von 1 bis 10 – wie gut ist es Ihnen heute gelungen, Ihr Optimalszenario zu leben? Wo besteht allenfalls Verbesserungsbedarf?
  1. Passung zwischen Lebenssystemen und Optimalszenario prüfen

Nun geht es um die Prüfung, in welchen Lebensbereichen Sie Ihr Optimalszenario leben können und wo gegebenenfalls Anpassungen sinnvoll sein könnten.

Sollte es irgendwo nicht mehr so passen: Haben Sie die Möglichkeit, etwas im betreffenden System (Team, Unternehmen, Familie, Freundeskreis etc.) zu verändern oder müssen Sie es allenfalls verlassen? Wenn beides nicht in Frage kommt, lesen sie am besten einfach weiter.

  1. Alternatives Verhalten im System prüfen

Wenn weder eine Veränderung im System oder das Verlassen des Systems möglich ist bzw. sinnvoll erscheint, kann auch geprüft werden, ob ein alternatives Handeln zu einer Verbesserung der Situation führt. Die Kernfrage lautet: Wie können Sie Ihr Verhalten/Vorgehen alternativ so gestalten, so dass es allen bessergeht?

Kommen Ihnen die Inhalte aus Punkt 3 und 4 bekannt vor? Ja, hier geht es um nichts anderes als um die Prüfung Ihrer Möglichkeiten im Sinne von „take it, change it or leave it“.

  1. Mit Rückfällen umgehen

So viel schon mal vorweg: Bei persönlichen Veränderungsvorhaben sind Rückfälle absolut normal. Vorbereitend könnten folgende Fragen nützlich sein:

  • Wer merkt, dass Sie nicht das tun, was Sie sich vorgenommen haben?
  • Wie möchten Sie darauf aufmerksam gemacht werden, dass Sie „rückfällig“ geworden sind?
  1. Dranbleiben

Das Optimalszenario wird sich immer wieder verändern. Daher gilt es dranzubleiben und regelmässig Folgendes zu prüfen:

  • Entspricht das Optimalszenario noch dem, was Sie jeden Tag (er-)leben möchten?
  • Was fehlt? Was sollte verändert werden?
  • Was tun Sie bereits anders und was ist Ihre Belohnung dafür?

Bevor Sie loslegen...

Es soll noch einmal betont werden, dass es hier nicht unbedingt um die sofortige Veränderung des gesamten Lebens geht, sondern um eine bewusste Gestaltung Ihres Alltags. Bei der Definition des Optimalszenarios würde ich also unbedingt darauf achten, dass Sie sich nur so viel vornehmen, wie Sie täglich umsetzen können. Sie können sich dann jederzeit steigern und das Szenario laufend anpassen. Viel Spass beim Gestalten!

Reflexion

  • Wie bewusst gestalten Sie Ihr Leben?
  • Inwiefern leben Sie Ihr Optimalszenario?
  • Wo hätten Sie noch Spielraum zur Verbesserung?
  • Wer würde Sie dabei unterstützen?

Quelle: Sonja Radatz – Gestalten Sie. Sonst werden Sie gestaltet – Relationales Selbstmanagement in der Praxis (2016)