Persönliche Entwicklung

Online-Coaching – ein Erfahrungsbericht

Distanzcoaching

Fragen Sie sich, ob Ihnen ein Online-Coaching auch weiterhelfen könnte oder sind Sie gegenüber der virtuellen Variante skeptisch eingestellt? Diese Skepsis hat mich am Anfang als Online-Coach auch begleitet. Mittlerweile bin ich überzeugt, dass sich diese Art von Coaching für viele Fragestellungen genauso eignet wie die Face-to-Face-Variante.

Die Nachfrage nach Online-Coaching hat sich verändert

Online-Coaching war bei mir schon lange möglich. Nur wollten das bis Ende Februar 2020 die wenigsten Kunden. Ich spreche da von einer Grössenordnung von 1:50 oder ca. 0.02% meiner Kundschaft, die ein virtuelles Coaching bevorzugte. Da ich aufgrund der Covid-19-Empfehlungen des BAG keine Face-to-Face-Coachings mehr anbot, waren einige bestehende und wenige neue Kunden bereit, auf die Online-Variante umzusteigen. Nun, was sind meine Erfahrungen damit?

Die Beziehungstiefe lässt sich gut aufbauen

Vor meinem ersten Online-Coaching hatte ich die Befürchtung, dass sich online nicht dieselbe Beziehungstiefe aufbauen lässt wie von Angesicht zu Angesicht. Spannend ist, dass online – selbst mit neuen Kunden – sehr schnell eine vertrauensvolle Beziehung zustande kommt. Früher dachte ich, dass man beim virtuellen Coaching länger bei einer oberflächlichen Bearbeitung des Themas bleiben würde. Meine Erfahrung zeigt, dass das Gegenteil der Fall ist: Die Kunden öffnen sich sehr rasch und trauen sich auch sehr schnell, tief ins Thema einzusteigen. Für die Qualität der Beziehung spielt es also bereits früh im Gespräch keine Rolle mehr, ob man im selben Raum sitzt oder nicht.

Alle Themen können mit Online-Coaching bearbeitet werden, jedoch gibt es methodische Herausforderungen

Grundsätzlich können alle Themen in einem Online-Coaching bearbeitet werden. Es kann allerdings einen grossen Unterschied machen, wie man ein Thema angeht. Kurzum: Methodisch nehme ich im Moment beim virtuellen Coaching ein paar Herausforderungen wahr. Beispielsweise macht es bei Entscheidungsfindungen oder Konfliktsituationen einen grossen Unterschied, ob man das Thema «nur» mit lösungsorientierten und somit eher kognitiven Methoden bearbeitet oder ob man einen ganzheitlichen Ansatz wählt (z.B. eine Aufstellung, bei der der Körper auch involviert ist). Einen ganzheitlichen Ansatz virtuell umzusetzen ist nicht unmöglich, jedoch in meiner Wahrnehmung für beide Seiten anspruchsvoller als im Face-to-Face-Coaching. Gleichzeitig mache ich die Erfahrung, dass bei vielen Fragestellungen ein lösungsorientierter Ansatz eine erste Entlastung schaffen und die Selbstwirksamkeit für die Problemlösung stärken kann.

Der Coachingprozess ist auch für das Online-Coaching relevant

Jedes Coachinggespräch sollte auf einem Coachingprozess basieren. Dies ist bei einem Online-Coaching nicht anders. Zuerst wird das Ziel für die Sitzung definiert. Darauf aufbauend werden mögliche Lösungen und ein konkreter Handlungsplan entwickelt. Weiter wird der Transfer in den Alltag besprochen, denn die Umsetzung im Alltag stellt die grösste Herausforderung für die Kunden dar, unabhängig von der Art des Coachings. (Hier geht es zum Blogbeitrag "Umsetzung von Veränderungswünschen").

Die Datensicherheit beim Online-Coaching ist abhängig von diversen Faktoren

Nun kommen wir zum grössten Nachteil von Online-Coaching: allfällige Datensicherheitslücken. Damit keine Sicherheitslücken entstehen, müssen verschiedene Faktoren berücksichtigt werden: U.a. sollten beide Gesprächspartner ihre Programme auf dem aktuellsten Stand halten, virtuelle Räume mit einem Passwort versehen und idealerweise Programme nutzen, die eine verschlüsselte Verbindung ermöglichen.

Der Wunsch nach einem persönlichen Gespräch vor Ort und Bedenken betreffend der Datensicherheit sind die wichtigsten Gründe gegen die Wahl eines Online-Coachings. Das ist aus meiner Sicht nachvollziehbar. Schliesslich muss jede Person für sich entscheiden, ob die Kosten den Nutzen eines Coachings übersteigen oder ob das Umgekehrte der Fall ist.

Erfahrung mit Online-Coaching zusammengefasst

Mittlerweile bin ich gegenüber Online-Coaching sehr positiv eingestellt: Der Aufbau einer guten Beziehungstiefe gelingt und ich kann meinem Gegenüber genauso empathisch und wertschätzend begegnen, wie das in einem Face-to-Face-Coaching der Fall ist. Ebenso lässt sich mein Coachingprozess eins zu eins online einsetzen. Das Feedback meiner Kunden zeigt, dass sie einerseits mit dem Prozess und andererseits mit dem Ergebnis zufrieden sind. Und dies über ganz unterschiedliche Themen hinweg (z.B. Führung, Umgang mit Stress, Aufbau von Selbstvertrauen).

Für mich ist Online-Coaching interessanterweise anstrengender als ein Face-to-Face-Coaching. Ich kann nur Hypothesen aufstellen, warum das so ist. Erstens verlangt Online-Coaching von mir sicherlich mehr Kreativität, um die Methoden spontan auf das virtuelle Setting anzupassen. Zweitens reduziert sich die Wahrnehmung auf den visuellen und auditiven Kanal, wodurch mein Hirn eventuell versucht, die entstandenen Wahrnehmungslücken zu füllen.

Fazit: Online-Coaching funktioniert und kann genauso zielführend sein wie ein Coaching vor Ort. Dennoch freue ich mich sehr darauf, Sie eines Tages wieder persönlich in meinem Büro in Zürich unterstützen zu dürfen.

 

Photo by Andrew Neel on Unsplash

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